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Submitted by admin on 22 May. 2013
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105 years ago, from 6th to 8th August, 1908, a famous 19th century autograph collection was auctioned by J. A. Stargardt in Berlin. The owner of the collection was Fritz Donebauer, born in 1849 as a son of a Bohemian innkeeper who became a banker and insurance agent in Prague, and most of all: a collector. In his lifetime he owned hundreds of autographs and manuscripts of mostly Bohemian theatre artists and musicians as well as rare documents from the history of Bohemia and the Thirty Years War. Little is known about Fritz Donebauer, whose collection came to auction in Berlin in April 1908, and even less is known about the private collectors, dealers and institutions who bought the documents, manuscripts and handwritten letters. Eberhard Köstler tries to reconstruct Fritz Donebauer's life and the fate of his famous collection.

By Eberhard Köstler


105 years ago, from 6th to 8th August, 1908, a famous 19th century autograph collection was auctioned by J. A. Stargardt in Berlin. The owner of the collection was Fritz Donebauer, born in 1849 as a son of a Bohemian innkeeper who became a banker and insurance agent in Prague, and most of all: a collector. In his lifetime he owned hundreds of autographs and manuscripts of mostly Bohemian theatre artists and musicians as well as rare documents from the history of Bohemia and the Thirty Years War. Little is known about Fritz Donebauer, whose collection came to auction in Berlin in April 1908, and even less is known about the private collectors, dealers and institutions who bought the documents, manuscripts and handwritten letters. Eberhard Köstler tries to reconstruct Fritz Donebauer's life and the fate of his famous collection.

"Aus der Musik- und Theaterwelt" - Die Autographensammlung Fritz Donebauer


Vor 100 Jahren wurde die Autographensammlung von Fritz Donebauer (Prag) bei J. A. Stargardt versteigert.

"Die moderne Technik rückt unaufhaltsam vorwärts, schon tritt die Schreibmaschine mit Tinte und Feder überall erfolgreich in Wettbewerb. Eigenhändig geschriebene Briefe bedeutender Männer werden bald noch viel größere Raritäten werden als ehedem."(1)

Welches Klagelied würde der Verfasser dieser mit "Prag, Ende Februar 1908" datierten Zeilen, der Musikschriftsteller Richard Batka (1868-1922), erst heute anstimmen, wenn er sich außer mit der Schreibmaschine auch noch mit Telefon, Telefax, Computer und E-Mail konfrontiert sähe? Seine Einschätzung von der steigenden Seltenheit zeitgenössischer Autographen gilt heute noch viel mehr, als bei ihrer Veröffentlichung vor 100 Jahren. Damals, genauer gesagt vom 6. bis zum 8. April 1908, wurde von der Firma J. A. Stargardt in Berlin eine der bedeutendsten Autographensammlungen des späten 19. Jahrhunderts versteigert, die "Sammlung Fritz Donebauer - Prag". Über die Geschichte dieser wichtigen Sammlung ist nicht sehr viel bekannt. Der hundertste Jahrestag der Versteigerung gibt Anlass, näher hinter die Kulissen zu blicken.

Der Bankier und Autographensammler Friedrich (gen. Fritz) Donebauer wurde am 28. Dezember 1849 in Samrsk (Zámrsk) unweit von Hohenmauth (Visoke Mytko) im Bezirk Chrudim in Böhmen als Sohn eines Gastwirtes geboren.(2) Ab 1878 lebte er in Prag. Fritz Donebauer war ein typischer sozialer Aufsteiger der k. k. Monarchie. Durch Ehrgeiz und Fleiß brachte er es bis zum „Kaiserlichen Rat“ und „Oberbeamten der Filiale der k. k. priv. österreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe“ am Graben 10 in Prag. Dort sorgte man für die „feuer- und einbruchsichere Verwahrung von Wertpapieren“ sowie die „Verzinsung von Geldeinlagen gegen Einlagsbücher, Kassascheine und im Kontokorrent".(3) Sein Beruf und seine vielfältigen Interessen ließen ihm offenbar eine Familiengründung nicht als wünschenswert erscheinen; er blieb ledig. Seine Hauptbeschäftigung neben der beruflichen Tätigkeit bestand im Sammeln von qualitativ hochwertigen Dokumenten, Autographen und Bildzeugnissen zur Musik- und Theatergeschichte mit einem natürlichen Schwerpunkt auf Böhmen und Prag.

Die Initialzündung zu dieser ausgreifenden Sammeltätigkeit erfolgte durch Fritz Donebauers älteren Bruder Max(4), der sich als Münz- und Medaillen-Sammler einen bedeutenden Ruf erworben hatte. Max Donebauer starb, noch keine 50 Jahre alt, bereits am 5. Februar 1888 in Prag. Eduard Fischer von Röslerstamm schrieb aus diesem Anlass: "Er war schon kränklich, als er sich zur Veröffentlichung eines illustrierten Kataloges seiner böhmischen Münzsammlung anschickte. Als Autographensammler pflegte er besonders die Geschichte des Königreiches Böhmen und den 30jährigen Krieg."(5) Der Sammler hat 1887 in einer autobiographischen Notiz diese Angaben bestätigt: Er habe "den Autographen erst in den letzten Jahren Interesse entgegengebracht. Auch auf diesem Felde ist er beinahe ausschliesslich Specialist für Böhmen [...]"(6) Er erwähnt dort aber auch eingehender seine große Sammlung von Originaldokumenten aus dem Dreißigjährigen Krieg (1400 Stücke in sieben Portefeuilles) mit zahlreichen Wallenstein-Reliquien. 350 Autographen von Mitgliedern des österreichischen Kaiserhauses habe er bereits an das Staatsarchiv in Wien, seine Pergamenturkunden indes an den Berliner Bankier und Sammler Alexander Meyer Cohn (1853-1904) verkauft.(7)

Nach Max Donebauers Tod betraute die Familie(8) dessen jüngeren Bruder Fritz mit der Sichtung, Ordnung und teilweisen Auflösung des Nachlasses.(9) Dadurch fand er Gefallen an der Materie: "Die Lust zum Sammeln war in ihm durch seinen i[m] J[ahr] 1888 verstorbenen Bruder, einen hervorragenden Sammler von Münzen und historischen Urkunden, bei deren Inventarisierung er seinerzeit mit tätig war, wachgerufen worden."(10) In nur sechsjähriger Sammeltätigkeit baute Fritz Donebauer in wenigen Jahren bis 1894 eine Sammlung auf, die ihresgleichen zu suchen hatte. Er brachte 1200 Stücke zusammen, eine Anzahl, die er in den folgenden Jahren bis 1900 noch einmal mehr als verdoppeln sollte.

Fritz Donebauer machte aus seiner Sammlung und ihrer Bedeutung kein Geheimnis. Großmütig entlieh er seine wertvollsten Stücke für die 1892 in Wien abgehaltene „Internationale Musik- und Theaterausstellung“ aus Anlass des Mozartjahrs. Nicht weniger großzügig förderte er auch die Wissenschaft durch die Erlaubnis von Veröffentlichungen ungedruckter Quellen aus seinem Besitz.(11)

Vor allem machte er aber seine Sammlung in den Jahren 1894 und 1900 durch zwei Kataloge mit ausführlichen Beschreibungen und Transkriptionen bekannt.(12) Der Autographenkenner Eduard Fischer von Röslerstamm weiß über die beiden Bände folgendes zu berichten:

"Herr Fritz Donebauer in Prag hatte schon zweimal die Hilfsbibliothek der ihm persönlich bekannten oder mit ihm im brieflichen Verkehr stehenden Autographenfreunde durch beschreibende Verzeichnisse seiner in kurzer Zeit zu großer Ausdehnung gediehenen Sammlung von Handschriften aus der Musik- und Theaterwelt bereichert, bevor er uns vor kurzem den auch mit Faksimiles und Porträts reich ausgestatteten Auktionskatalog bot. - Das erste jener Verzeichnisse erschien 1894 und trug die Widmung 'Johann Strauß zum fünfzigjährigen Künstler-Jubiläum'. Der dem Besitzer befreundete Prager Musikschriftsteller Dr. R[ichard] Batka schickte dem alphabetisch geordneten Texte eine unterhaltende Einleitung voraus, die auf der Fiktion beruhte, er habe den Jubilar durch einzelne Gemächer zu geleiten, in denen die Briefe, Musikstücke und Porträts der einzelnen Musik- und Theater-Größen in historischer Reihenfolge auslägen, von dem Maler, Dichter und Komponisten Salvator Rosa, der zu dem damaligen Bestande der Donebauerschen Sammlung das älteste Autograph geliefert hatte, herab bis zu Johann II. Strauß selbst und dem jungen Nachwuchs. Ebenderselbe Fachmann schrieb auch zu der zweiten Ausgabe des Donebauerschen Verzeichnisses (1900) das Vorwort, an dessen Spitze er launig bemerkte, er könne sich diesmal kürzer fassen, denn die Dedikation an Strauß sei ein viel schmächtigerer Band gewesen, dem er durch einen langen, langen Prolog erst zu äußerer Ansehnlichkeit habe verhelfen müssen. In der Tat umfaßte jene Einleitung zu dem ersten Buche 80 Oktavseiten, während das eigentliche Verzeichnis auch nur 148 einnahm. In dem zweiten Falle war das Vorwort auf 14 Seiten beschränkt, und das Verzeichnis verlangte 328."(13)

Bereits am Schluss des Verzeichnisses von 1894(14) wies Fritz Donebauer darauf hin, dass er seine Sammlung von 1200 Stücken (1028 Briefen, 65 Notenhandschriften, 67 Albumblättern und Karten, 40 diversen Handschriften) innerhalb von nur sechs Jahren zusammengebracht habe. Für Ankauf und Vermittlung dankte er dort 16 namhaften Autographenhändlern und -sammlern in Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien, darunter E. Charavay, Albert Cohn, E. Fischer von Röslerstamm, Gilhofer & Ranschburg, Wilhelm Künzel, Leo Liepmannsohn, Ludwig Rosenthal, O. A. Schulz und J. A. Stargardt. Ja: "Auf häufigen Reisen wurde in London, Paris und Rom manch wertvolles Stück erworben."(15) So konnte Eduard Fischer von Röslerstamm aus Anlass der Versteigerung 1908 schreiben:

"Natürlich durfte sich die Donebauersche Sammlung schon 1894 'in den besten Kreisen der Autographen-Gesellschaft' sehen lassen, - fehlte es ihr ja schon damals an einem Gluck nicht, der nach dem beinahe unerreichbaren Händel das Begehrenswerteste für einen Sammler von Musiker-Autographen ist! Von 1894 bis 1900 reihte Donebauer noch manche neue Perle den alten Kleinodien an und in den letzten sieben Jahren seiner Sammeltätigkeit vermochte der Unermüdliche noch viele Kabinettsstücke zu erwerben."(16)

Aufgrund einer um 1907 langsam ausbrechenden schweren Krankheit, die ihn beinahe zehn Jahre lang begleiten sollte, entschloss sich Fritz Donebauer Anfang 1908, fast seine gesamte Autographensammlung zu verkaufen und nur wenige Lieblingsstücke daraus zu behalten. Im Versteigerungskatalog verschwieg man diesen wahren Grund diskret:

"Mit liebevollem Geiste gehegt, mehrte sich die Sammlung bis zu dem Umfang den sie gegenwärtig erreicht hat. Aber gerade diese Ausdehnung, die sie angenommen, die Zeit und Mühe, welche die Instandhaltung und Ergänzung eines solchen Besitzes seinem Eigentümer auferlegt, indem er seine ganze Kraft allmählich absorbiert, drängten den Besitzer dazu, sich seiner Schätze nunmehr lieber zu entäußern, als etwa mit geteiltem Herzen zu verwalten."(17)

Acht Jahre nach der Versteigerung seiner Sammlung starb Fritz Donebauer im Alter von 67 Jahren am frühen Morgen des 5. Juni 1916 in seiner Wohnung in Prag, Jerusalemgasse 1283/II (Bezirk Königliche Weinberge), die er seit September 1913 bewohnt hatte. Bereits in der Abendausgabe des Prager Tagblattes vom selben Tag fand sich ein aufschlussreicher Nachruf:

„Fritz Donebauer genoß als Sammler einen weit über Österreich hinausgehenden Ruf. Seine Autographensammlung aus der Musik- und Theaterwelt, die 1891 in der Wiener Musik- und Theaterausstellung zum erstenmale öffentlich zu sehen war, gehörte zu den schönsten Privatsammlungen des Kontinents. Ihr größter Wert bestand darin, daß sie unter methodischen Gesichtspunkten angelegt war, nicht alles, wessen ein Sammler habhaft werden kann, in sich aufnahm, sondern sich auf gewisse Gebiete spezialisierte, die dann nach allen Richtungen mit der größten Liebe und Sorgfalt gepflegt wurden. Als sich kais. Rat Donebauer vor Jahren infolge einbrechender Kränklichkeit gezwungen sah, seine musikalischen Autographen in andere Hände zu legen und nur noch seine Bilder, Kupferstiche, Handzeichnungen und Lithographien behielt, konnte er es doch nicht über sich bringen, sich von seinen Lieblingsstücken zu trennen. Es waren dies ein unbekanntes Jugendbildnis Mozarts, die sogenannte Grazer Partitur des Don Juan mit mehreren Eintragungen von Mozarts Hand, das umfangreiche Notizbuch Carl Maria v. Webers aus der Zeit seiner Kapellmeistertätigkeit am Prager Landestheater u. dgl. Kais. Rat Fritz Donebauer gehörte auch durch viele Jahre dem Prager Mozartverein als Ausschußmitglied an."(18)

Zurück zur Versteigerung des Jahres 1908. Fritz Donebauer beauftragte mit dem Verkauf seiner Sammlung durch Versteigerung die Firma J. A. Stargardt in Berlin und überantwortete so seine geliebte Sammlung „wahrlich nicht leichten Herzens einem ungewissen Lose“, wie es im Katalogvorwort heißt.(19) Die Auktion erweckte naturgemäß reges Interesse in Fach- und Sammlerkreisen und sogar darüber hinaus.(20) Die eingehendste Würdigung der Sammlung und ihrer Versteigerung lieferte der damals bekannteste österreichische Autographenexperte, Eduard Fischer von Röslerstamm (1848-1916) in der „Zeitschrift für Bücherfreunde“. Fischer von Röslerstamms Aufzeichnungen sind umso wertvoller, als sich ein Handexemplar mit den Ergebnissen der Versteigerung oder gar eine Ergebnisliste bedauerlicherweise nicht erhalten hat.

Wie in jedem kunstgerechten Auktionsbericht beginnt auch Fischer von Röslerstamm mit einer Klage über die stark gestiegenen Preise. Donebauer sei es aber dennoch immer wieder gelungen, "Kabinettsstücke zu erwerben, trotzdem die Preise für diesen Zweig des Autographenwesens im neuen Jahrhundert so hoch geworden sind, daß in Auktionen und aus Lagerkatalogen nur noch Krösusse erstklassige Stücke kaufen können." Er geht sodann auf die Zusammenlegung von Briefen und Porträts zu Auktionskonvoluten ein: "Mancher Brief, dessen Inhaltsauszug in den beschreibenden Verzeichnissen eine viertel, eine halbe oder eine ganze Seite füllte, wurde für die Auktion in ein Konvolut gesteckt." Zwischen den Zeilen lässt sich für diese Praxis ebensoviel Missfallen herauslesen, wie an den von Donebauer angelegten Sammelalben. So habe ein Album mit über 100 Autographen, darunter solche von Paganini, Raimund, und C. M. v. Weber nur 1000 Mark erlöst: "Wären die Briefe, die darin eingeheftet waren, ohne Beschädigung abzulösen gewesen, so hätten sie, einzeln in Mappen gelegt, gewiß mehr gebracht." Der Bericht geht sodann näher auf die Prachtstücke der Sammlung ein: ein Notizbuch von C. M. von Weber, eine "Don-Juan"-Partiturabschrift mit Mozarts Eintragungen, sieben Briefe von Beethoven, zwei Autographen von Gluck sowie drei Briefe von Mozart: "Ein Brief des 14jährigen Mozart an seine Schwester, datiert aus Mailand, brachte es auf 850 M., ein Brief an seinen Vater (1784) auf 755 M. und den höchsten Preis von 1050 M. erzielte ein Schreiben, das seinem Absender nur ein karges Darlehen von 10 fl. eintrug."

Briefe von Marschner, Schumann und Reißiger werden ausführlicher zitiert. "Der außerordentlich seltene Joh. Seb. Bach fehlte bei Donebauer auch nicht ganz. Es handelt sich um drei Stimmen zur Kantate 'Es ist das Heyl uns kommen her'. Sie sind zwar zumeist von fremder Hand geschrieben, die Überschrift hat aber er gemacht und auch 25 Notenreihen stammen von seiner Hand." Ein Brief von C. Ph. E. Bach erzielte damals 45 Mark, ein Albumblatt von Richard Strauss vergleichsweise erstaunliche 31 Mark, also sogar eine Mark mehr, als ein Diktatbrief von Goethe mit eigenhändiger Unterschrift! Ein eigenhändiger Brief Goethes wurde 1908 mit 220 Mark, ein ebensolcher von Schiller, unterschrieben mit "Sch." immerhin mit 555 Mark bezahlt. Der Auktionserlös scheint insgesamt sehr gut ausgefallen zu sein, denn der Referent schließt seinen Bericht mit der Feststellung, "daß der Prager Sammler die vielen Opfer an Geld und Zeit nicht umsonst gebracht hat. Die drei Bücher, in denen seine einst besessenen Schätze geschildert sind, mögen Herrn Donebauer noch lange an seine Sammlerzeit erinnern!"

Heute erinnern in der Tat nur noch die gedruckten Kataloge an die vormals berühmte und heute weitgehend vergessene Sammlung. Allerdings: Zahlreiche Autographen aus Donebauers Besitz befinden sich in öffentlichen Institutionen. So finden sich etwa die im Versteigerungskatalog von 1908 unter den Nummern 311 bzw. 312 beschriebenen Goethe-Briefe im Freien Deutschen Hochstift (Frankfurter Goethemuseum)(21) bzw. im "Museo Barracco/Biblioteche Barracco e Pollak" in Rom(22). Das Beethovenhaus Bonn besitzt aus der Donebauerschen Sammlung zwei Beethoven-Briefe(23), die allerdings erst über die Sammlung von H. C. Bodmer dorthin gelangt sind, sowie ein Porträt.(24) Aus derselben Quelle stammt ein Brief von Andreas Romberg in der Staats- und Universitätsbibliothek "Carl von Ossietzky", Hamburg.(25) Dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg hatte Donebauer sogar noch selbst Geschenke aus seiner Sammlung vermacht.(26)

Es bleibt also das Verdienst Fritz Donebauers, wichtige Dokumente der Kulturgeschichte vor der Vernichtung durch Nichtbeachtung gerettet zu haben.

"Aber wie immer die Zeit sich wandle und die Schätzung der Autographen steige - selten wird eine Sammlung mit mehr Pietät, Hingebung und Treue aufgespeichert und gepflegt worden sein, wie die, der ich [R. Batka] hiermit als alter Freund mein letztes Abschiedswort zurufe. Möge sie den künftigen Eignern so viel Stunden stillen Glückes und innerer Erhebung bereiten, wie dem, der sie nunmehr und wahrlich nicht leichten Herzens einem ungewissen Lose überantwortet."(27)

Diesem Wunsch, der mutatis mutandis für den Verkauf aller Autographensammlungen gilt, schließen wir uns auch heute, 100 Jahre später, gerne an.


Anmerkungen


(1) Sammlung Fritz Donebauer - Prag | Briefe | Musik-Manuskripte * Porträts | zur | Geschichte der Musik und des Theaters. | Versteigerung vom 6. bis 8. April 1908 | durch | J. A. Stargardt | Verlagsbuchhandlung und Antiquariat | Berlin W. 35. Lützowstr. 47. [Versteigerungskatalog. Berlin 1908]. Mit farb. Frontispiz und 3 Tafeln sowie zahlr. Faksimiles im Text. IV, 123 S. OKart. S. IV. - Für sich und seine Freunde ließ Donebauer eine nummerierte Vorzugsausgabe auf kräftigem Papier herstellen, über deren Auflagenhöhe zwar nichts bekannt ist, die aber 100 Exemplare nicht überschritten haben dürfte. Sie enthält keine Schätzpreise. Ein Exemplar dieser Vorzugsausgabe mit der gestempelten Nummer „57“ befindet sich im Besitz des Verfassers.

(2) Sein Vater Jakob (Brezowa 1810-?) war Restaurateur in Hohenmauth; seine Mutter war die ebenfalls aus Brezowa stammende Rosalie (Rosa), geb. Hostowsky (Brezowa 1814-1884 Prag). Er hatte 5 ältere und 3 jüngere Geschwister. Ab 1878 war er in Prag als Einwohner gemeldet und ist dort in einem Konskriptionsbogen verzeichnet. - Für die Angaben zur Genealogie und Biographie Donebauers bin ich Herrn Karl J. Fellhuber, Wien, zu Dank verpflichtet, der folgende Quellen ausgewertet hat: Český hudební slovník osob a institucí, Dil. I, A-L. Praha, Stát. ped. nakl. 1963, S. 256 [Primärquelle für die Geburts- und Sterbedaten]; Prager Tagblatt; Adler Partezettelsammlung; Auktions-Katalog Stargardt 1908 Sammlung Donebauer; Prager Stadtarchiv, Konskriptionsblätter.

(3) Anzeige in: Prager Tagblatt Nr. 155, 5. Juni 1916, Seite 2.

(4) Der zweitgeborene Sohn der Familie, Max Donebauer (Hohenmauth 1838-1888 Prag), war im Brotberuf wie sein Vater Gastwirt oder vielmehr "Restaurateur" und machte sein Vermögen als Inhaber des Restaurants im Prager Staatsbahnhof (heute: Masaryk-Bahnhof) sowie als Teilhaber einer Lackfarbenfabrik.

(5) Mitteilungen für Autographensammler. Hrsg. von Eduard Fischer von Röslerstamm. Graz, Leykam, Jg. V (1888), Heft 3, S. 30. - Posthum erschien ein wissenschaftlich bearbeiteter zweibändiger Katalog seiner berühmten Sammlung, der zu den Standardwerken der numismatischen Literatur gehört und deshalb seit 1970 auch in einem Neudruck vorliegt: Beschreibung der Sammlung Böhmischer Münzen und Medaillen des Max Donebauer. In numismatisch-geschichtlicher Bearbeitung von Eduard Fiala. Prag 1889-91. - Nachdruck Graz 1970.

(6) vgl. Eduard Fischer von Röslerstamm, Adressbuch für Autographen- und Porträtsammler. Graz 1887. S. 87-89.

(7) Ebenda.

(8) Seine Gattin Elise (geb. Friedmann; geb. in Melnik 1844) und er hatten drei zwischen 1865 und 1872 geborene Kinder (Alfred, Camilla und Hugo).

(9) Über die Auflösung der Sammlung sind wir durch verschiedene Nachrichten in den von Eduard Fischer von Röslerstamm herausgegebenen "Mitteilungen für Autographensammler" recht gut unterrichtet. Einen Teil der Sammlung übernahm der Wiener Antiquar, Versteigerer und Autographensammler Alexander Posonyi (1838-1899). Dieser hatte um 1880 begonnen, eine Autographensammlung anzulegen, die bald auf 30.000 Nummern anwuchs. Er erwarb sich große Verdienste um die Bewahrung wichtiger Schriftstücke, "fand aber wegen des laienhaften Aufbaues seiner Sammlung sowie wegen seines schrullenhaften Betragens in der Wiener Fachwelt wenig Anerkennung." (ÖBL VIII, 220). Die Sammlung Posonyi wurde in den Jahren 1900-01 durch die Firma Friedrich Cohen in Bonn (später H. Bouvier) in sechs Lagerkatalogen (Nrn. 97-99, 101, 104 und 105) angeboten. - Weitere Teile der Sammlung Max Donebauer wurden durch die Firmen Josef Baer in Frankfurt (Kat. 242, 1889) und B[ernhard] S[alomon] Berendsohn in Hamburg (Kat. 2; 1889) in Lagerkatalogen verzeichnet.

(10) Fußnote 1. Ebenda.

(11) Beispielsweise: Ernst Rychnovsky, Ludwig Spohr und Friedrich Rochlitz. Ihre Beziehungen nach ungedruckten Briefen. - In: Sammelbände der Internationalen Musikgesellschaft, 5. Jg., Heft 2. (Wien, Feb. 1904), S. 253-313.

(12) I. Aus der Musik- und Theaterwelt. Beschreibendes Verzeichnis der Autographen-Sammlung Fritz Donebauer in Prag. (Vorwort von Richard Batka). Prag, Selbstverlag (Buchdruckerei Löwit & Lamberg), 1894. LXXX, 150 S., 1 Bl. - Exemplar aus der Sammlung des Verfassers. - II. Beschreibendes Verzeichnis der Autographen-Sammlung Fritz Donebauer in Prag. (Vorwort von Richard Batka). II. Ausgabe. Ebenda 1900. Mit Frontispiz. XIV, 326 S., 1 Bl. - Die Objektbeschreibungen im ersten Verzeichnis stammen von Richard Batka, die im zweiten von Ernst Rychnovsky.

(13) Die Autographen-Auktion Donebauer. Geschildert von E. Fischer von Röslerstamm in Rom. In: Zeitschrift für Bücherfreunde. Jg. 12 (1908), S. 119-25.

(14) Vgl. Fußnote 12. I. Ebenda, letztes Blatt.

(15) Vgl. Fußnote 1. Ebenda S. III.

(16) Vgl. Fußnote 13. Ebenda S. 119.

(17) Ebenda.

(18) Prager Tagblatt. Nr. 155, 5. Juni 1916, Seite 2. - In der Morgenausgabe des Prager Tagblatts vom 6. Juni 1916 findet sich dann auch die von Fritz Donebauers Neffen und Nichten verantwortete und mit dem 5. Juni datierte Todesanzeige in repräsentativer Größe: „Unser lieber guter Onkel kais. Rat Fritz Donebauer […] ist uns heute früh nach langem schweren Leiden gestorben. Wir beerdigen den teueren Toten am 6. Juni um ½ 5 Uhr nachm. von der Straschnitzer Leichenhalle aus […] Kranzspenden werden dankend abgelehnt.“

(19) Vgl. Fußnote 1.

(20) Sogar im "Prager Tagblatt" vom 7. April 1908 wird in einer kleinen Notiz über die ersten Auktionsergebnisse berichtet.

(21) Brief Goethes vom 24. 5. 1814 aus Bad Berka an Alois Anton Polzelli in Wien (WA-Nr. 6847). Vgl. auch "Beschreibendes Verzeichniss der Autographen-Sammlung Fritz Donebauer in Prag", S. 88.

(22) Brief Goethes vom 7.11.1816 aus Weimar an Carl Friedrich Ernst Frommann in Jena (WA-Nr. 7541).

(23) Briefe Ludwig van Beethovens vor dem 11. Januar 1815 und vom 14. Januar 1815 aus Wien an Johann Nepomuk Kanka in Prag. - HCB Br 161 und 162.

(24) Hoechle, Johann Nepomuk (1790-1835), Reproduktion eines Aquarells "Beethoven bei garstigem Wetter".

(25) Brief von Andreas Romberg vom 24. Juli 1815 aus Gotha an C. F. Peters in Leipzig.

(26) I. Drei Portraits des Joh. Philipp Schönborn, Erzbischofs von Mainz, Kupferstiche, 17. Jh. - II. Titelblatt zum "Theatrum Pacis", verlegt bei Wolfgang Moritz Endter, 1702, mit Titelkupfer von Fleischberger. - III. Stammbuchblattfragment, Mitte 16. Jh. - IV. Doppelstammbuchblatt: Ernst Fürst zu Anhalt 1621 und Sophia Katarina Herzogin zu Münsterberg 1622. Mit gemaltem Wappen der letzteren.

(27) Vgl. Fußnote 1. Ebenda, S. IV.

(Published in Aus dem Antiquariat, 2008, no. 4, pp. 248-253. Presented here by permission of the author.)

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